Studium nur für Selbstzahler: Die Forderungen eines Spitzenökonomen
Ein bekannter Ökonom sieht die Zukunft des Studiums in einer radikalen Wende: Nur Selbstzahler sollen Zugang haben. Was steckt hinter dieser Forderung?
Eine provokante Forderung
In der jüngsten Debatte um das Bildungssystem hat ein prominenter Ökonom mit seiner Forderung nach einem Studium nur für Selbstzahler für Aufsehen gesorgt. Seine Argumentation basiert auf der Annahme, dass die staatliche Finanzierung von Studienplätzen nicht nur die Qualität der Bildung infrage stellt, sondern auch eine gewisse Ungerechtigkeit impliziert. Wer bereit ist, den Preis zu zahlen, so seine These, sollte auch das Recht auf Bildung in der gewünschten Form und Qualität haben. Man mag sich fragen, ob das nicht eine Art Bildungselitismus ist – doch der Ökonom sieht das eher als eine Rückkehr zu fairen Verhältnissen.
Die nach dem Zweiten Weltkrieg gebaute Vorstellung, dass Bildung für alle zugänglich sein sollte, ist in den Augen vieler nicht mehr haltbar. Er argumentiert, dass der Staat nicht unbegrenzt für die Ausbildung junger Menschen aufkommen kann und dass diese Finanzierung letztlich den Steuerzahler mehr belastet als nötig. Im Umkehrschluss müsse jeder selbst für seine Bildung aufkommen, um so ein höheres Maß an Verantwortung und Wertschätzung für den eigenen Bildungsweg zu entwickeln. Hierbei wird oft das Bild des „verantwortungsvollen Bürgers“ bemüht, der sich selbst um seine Entwicklung kümmert – ein Bild, das charmant klingt, jedoch nicht die realen sozialen Unterschiede berücksichtigt.
Die sozialen Implikationen
Die Frage, die sich unweigerlich stellt, ist, wie das Modell der Selbstzahler-Studiengänge in der Praxis aussehen könnte. Würden wir nicht in eine Klassengesellschaft abdriften, in der nur die Wohlhabenden Zugang zu hochwertiger Bildung haben? Der Ökonom ist überzeugt, dass es auch hier Lösungsmöglichkeiten geben kann, beispielsweise durch Stipendien oder zinsgünstige Darlehen. Ob das als schlüssige Antwort auf die Probleme des Bildungssystems reicht, bleibt fraglich. Der Rest der Gesellschaft, die sich das Studium nicht leisten kann, würde dennoch in eine prekäre Situation geraten. Man könnte sogar behaupten, dass in Zeiten, in denen die soziale Schere immer weiter auseinandergeht, ein solcher Ansatz wenig mit Gerechtigkeit zu tun hat.
Die Vorstellung, dass Bildung allein auf finanzieller Grundlage sitzen sollte, wirft auch die Frage auf, was mit den ideellen Werten von Wissen und Lernen geschieht. Ist es denkbar, dass zukünftige Generationen nicht mehr anstreben, Wissen um seiner selbst willen zu erwerben, sondern nur in der Hoffnung, Rendite auf ihr investiertes Geld zu erzielen? Ein sehr pragmatischer, aber auch zutiefst ironischer Ansatz, wenn man bedenkt, dass Bildung ursprünglich für die Allgemeinheit gedacht war und nicht für den individuellen Profit.
Ein Studium nur für Selbstzahler mag nach einer Lösung für die überlasteten Bildungseinrichtungen klingen, jedoch muss die Frage des Zugangs für alle, unabhängig von ihrem finanziellen Hintergrund, in einem demokratischen System immer eine zentrale Rolle spielen. Vielleicht sollten wir uns nicht nur darauf konzentrieren, wie wir Bildung finanzieren, sondern auch, was sie für unsere Gesellschaft bedeutet und was wir bereit sind, dafür zu opfern.
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